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Daniel
Puente (Chile/Barcelona)
ein charismatischer Musiker, dessen Geschichte
so ungewöhnlich ist, wie sie eben nur das Leben schreibt.
Geboren
in Santiago de Chile, gründet der Gitarrist, Songwriter und
Sänger die Band "Pinochet Boys",
die vom damaligen Militärregime aus bald
das Land verlassen muss.
Auf der Suche nach neuen
Impressionen geht es
weiter nach Madrid, London, Berlin und Hamburg.
Dort gründet er eine neue Band: "Ninos Con Bombas".
Sie touren durch die USA und Europa.
In Deutschland
sind sie u.a. mit den "Einstürzenden Neubauten"
als Support mit großem Erfolg unterwegs.
Heute
lebt Daniel Puente in der Nähe von Barcelona
und produziert dort unter dem Namen
"Polverosa" Musik.
Seine Musik ist unter anderem in Fatih Akin's
Film "Gegen die Wand" zu
hören.
Sonntag,
26.September 2010
Einlass:
18:00 Uhr
Beginn: ab 19:30 Uhr
Karten:
07127 / 222 19
Eintritt:
15,00
€
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Presse:
Friedrichshafen
Kultur, Februar 2010
Salsa mit fliegenden Pflastersteinen
Der
erste Gedanke: Polvorosa werden das
Theater Atrium niederbrennen. Zwar kenne ich die
Musik von Daniel Puentes neuer Band noch nicht,
aber dafür die seiner früheren Formation Ninos
Con Bombas: Salsa, durchsetzt mit beinhartem Punkrock.
Bild: Ruppert
Puente
selbst jedenfalls ist ein harter Knochen:
Der chilenische Sänger, Gitarrist und Songschreiber
hatte bereits 1984 in seiner Heimat Chile eine
rebellische Punkband aufgemacht unter dem Namen
Los Pinochet Boyz, was zur Zeit des Pinochet-Regimes
schon
eine mutige Nummer war. Puente hat sie denn
auch mit dem Exil bezahlt.
Im
Atrium sieht alles dann ganz anders aus als erwartet. Daniel Puente
steht an der Theke und verlangt keinen Schnaps, kein Bier und
nicht einmal Schwarztee der macht mich vielleicht
nervös sondern eine Tasse Mate-Tee;aber
nur ganz kurz gezogen. Wenn Bescheidenheit und Höflichkeit
einen Namen tragen,
dann den von Daniel Puente.
Von
Pappe ist die Musik von Polvorosa trotzdem nicht,
denn gemeinsam mit Kersten Ginsberg (Schlagzeug) und
Momo Hafsi (E-Bass) rollt Puente das Feld der Latin-Musik
von hinten auf: Nichts da mit geschmeidig-glitschiger Tanzmusik,
von der kein tieferer Eindruck hängen bleibt. Ruppiger
Indie-Rock ist die Basis des Polvorosa-Sounds, und der
ist ebenso roh wie artistisch. Kersten Ginsbergs hochgradig
komplexer Schlagzeugstil appelliert erst
an den Kopf und dann an die Beine, und Momo Hafsi ungeschliffener,
dominanter Bass bildet die stilistische Schnittstelle zwischen
Europa, Lateinamerika und Afrika.
Polvorosa,
das ist Klang gewordener Widerspruch,
und das macht die Band so großartig. Wenn der
Rhythmus richtig groovt, legt Daniel Puente garantiert
seinen schnarrenden Sprechgesang drüber; und wenn
das Publikum zu Salsa tanzt, dann tanzt es zugleich
zu rohen Gitarrenriffs da fliegen, metaphorisch
gesprochen, Pflastersteine aufs Parkett, und Polvorosa inszenieren
beides zugleich.
Die
Mischung zündet, das Volk tanzt. In konventionelle Tanzschulschritte
bricht individueller Freistil ein, und die fertigen Bewegungsrezepte
versagen endgültig, wenn Polvorosa Ska mit Polka zu einem
zuckenden Bastard verschnüren, der nach Wladimir Kaminers
Russendisco-Samplern schreit.
Polvorosa
wirken weitaus weniger brachial als noch Ninos Con Bombas,
sind aber nicht weniger intensiv. Wo Daniel Puente Spannungen
und Energien früher wild explodieren ließ, verlagert
er sie nun nach innen eliminiert sind sie
damit keineswegs. Und Daniel Puente selbst? Er ist nach dem Konzert
so ausgeglichen wie zu Beginn.
Ein Glas Wein verlangt er an der Theke
aber bitte nur ein halbes.
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Momo
Hafsi (Algerien/Frankreich)
ist
einer der gefragtesten Bassisten
der Pariser Musikszene.
Er spielt unter anderem mit Mory Kanté,
Khezia Jones, Tony Allen, Archie Shepp,
Amadou & Myriam und Rokia Traoré, die
allesamt zu den bedeutensten Musikern der
aktuellen internatonalen
World/Globalista-Szene gehören.

Kersten
Ginsberg
hat die "deutsche" Schule
à la Can/Neubauten mit
internationalen Einflüssen aus vielerlei Ecken (Weltmusik,
Hiphop, Punk)
zu einer hochmodernen, sehr flexiblen und dabei immer tight groovenden
eigenen Signatur verbunden.
Er
spielte mit internationalen Größen wie
Scott Walker (Walker Brothers), Joachim Irmler (Faust), Alexander
Hacke (Einstürzende
Neubauten), Bands wie Naked Lunch
und Martin Dean und trat als
trommelnder Schauspieler neben
Catherine Deneuve, Guilliaume Departieu
und Rammsteinsänger Till Lindemann in
Leos Carax Film "Pola X" auf. Auch
Wim Wenders schätze seinen musikalischen
Einfluss, der in dem Film
"Land of Plenty" zu hören ist.
Er
ist nicht nur Schlagzeuger, auch Schlagwerker,
Sounddesigner und Geräuschemacher, der mit eigenen Klangerzeugern
spielt
und experimentiert.
Presse:
Nürtinger Zeitung, Februar 2010:
Der
sprichwörtliche Sinn der Latinos für Rhythmen
Auch beim zweiten Konzert innerhalb kurzer Zeit überzeugt
Daniel Puente mit seiner Formation Polvorosa in der Theatergalerie
VON
HEINZ BÖHLER
NECKARTAILFINGEN.
So sind wir Latinos nun mal, heißblütig
nämlich und liebebedürftig, auf jeden Fall aber unglaublich
musikalisch. Zumindest trifft dies alles auf
Daniel Puente zu, der am vergangenen Samstag sein Bandprojekt
Polvorosa in der Theatergalerie einem
kleinen, indes fachkundigen Publikum vorstellte. Mit dabei waren
der Schlagzeuger Kersten Ginsberg und
Momo Hafsi am Bass.
Intendantin
Nora Curcio freute sich, Polvorosa nach ihrem Auftritt beim letzten
Weihnachtsfest erneut in der Theatergalerie begrüßen
zu können. Dies umso mehr, als sich die Band mit Momo Hafsi
einen versierten Bassisten
ins Boot geholt hatte, dessen Spiel sich trotz seiner erst dreitägigen
Mitgliedschaft nahtlos in den Gesamtsound einfügte.
Ja,
wie sind sie denn nun, die Latinos? Musikalisch, wie gesagt. Ihr
Sinn für Rhythmen ist sprichwörtlich und, wie Bandleader
Daniel Puente deutlich machte, ihr Feuer Fuego
hat nichts mit dem kläglichen Flämmchen eines
handelsüblichen Feuerzeugs zu tun. Der in Barcelona lebende
Puente ist gebürtiger Chilene, den die Schergen
des Diktators Pinochet aus seiner Heimat gejagt haben. Madrid,
London, Berlin und Hamburg sind Stationen seiner musikalischen
Karriere.
Während
einer Tournee mit den Einstürzenden Neubauten traf er auf
Kersten Ginsberg und das Projekt Polvorosa nahm allmählich
Form an. Aus dem Punk Puente wurde ein Musiker, der mit einer
elektrisch verstärkten Konzertgitarre in der Sprache seiner
Heimat eine Musik macht, die weit mehr Bezug zu moderneren Jazz-Genres
hat als mit einem Drei-Akkorde-Schema, wie es dem Punk einst zugrundelag.
Der neu (aus Frankreich) hinzugekommene Momo Hafsi kommt eindeutig
vom Jazz und machte sich mit Musikern wie Keziah Jones oder Mory
Kante einen Namen. Am Samstag erfuhren die knapp 30 Zuhörer,
warum solche Koryphäen live auf den gebürtigen Algerier
zählen.
Drummer
Kersten Ginsberg hat die deutsche Schule à
la Can/Neubauten mit internationalen Einflüssen aus vielerlei
Ecken Weltmusik, Hiphop, Punk zu einer hochmodernen,
sehr flexiblen und dabei immer tight groovenden eigenen Signatur
verbunden. Auf der Bühne ist er ein Ausbund an Präzision
und Lebendigkeit, der sich heftig darüber beklagt, der Leisstärke
seiner Mitspieler folgen zu müssen.
Ginsberg
lieferte sich immer wieder reizende und nicht ganz ernst gemeinte
Moderationsduelle mit seinem Chef, der sein Herz auf
eine höchst drollige Weise auf der spanisch anstoßenden
Zunge trägt. Doch im Mittelpunkt stand während der mehr
als zwei Stunden Spielzeit immer die Musik. Und Musik ist, wenn
sie in Lateinamerika entsteht, immer mit jeder Menge Rhythmus
verbunden.
Selbst
im Süden des Teilkontinents ist der Einfluss afrikanischer
Metren nicht zu überhören. Tango und Samba Santiago
liegt auf gleicher Breite wie die Südspitze Brasiliens
gehören selbstverständlich ebenso zum Repertoire des
Trios wie kompliziert ungerade Taktarten. Was Wunder, dass sich
niemand traute, der mehrfachen Aufforderung Puentes, doch das
Tanzbein oder ein -tuch dazu zu schwingen, zu folgen. Umso geneigter
lauschten die Anwesenden der Musik der drei Meister ihrer Instrumente,
die folglich nicht unter drei Zugaben wegkamen.
Selbst
wenn die Dorftrommeln des schwäbischen Umlandes zur Schneckenpost
degeneriert sein sollten, ist davon auszugehen, dass sich beim
nächsten Konzert der Polvorosen die Zuschauerzahl
mindestens verdoppeln wird.
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